Der Ort Limlingerode

Limlingerode, rechte Hand das Geburtshaus der Sarah Kirsch, die ehemalige Pfarrei

Limlingerode befindet sich im Norden Thüringens im Landkreis Nordhausen. In "grauer Zeit" lag es am alten thüringisch-sächsischen Grenzstreifen, der als Ödland zwischen den Stämmen belassen wurde. 1233 wurde der Name zum ersten Mal urkundlich erwähnt, vorerst als "Lummolingerode". Man vermutet, dass sich diese Ortsbezeichnung aus drei Bestandteilen zusammensetzt.
Zuerst war es eine stark bewaldete Fläche, die im 9. und 10. Jahrhundert gerodet wurde, damit eine Ansiedlung überhaupt möglich war. Hieraus läßt sich "-rode" ableiten. Der Wald bestand vorwiegend aus Laubbäumen, am häufigsten war die Linde zu finden, mundsprachlich die "Linge". Damit ging auch dieses Wort in den Ortsnamen ein. Die gerodete Fläche wurde urbar gemacht und besiedelt. Vermutlich hieß einer der ersten Ansiedler "Lummo", damit war der entstandenen Siedlung ein Name gegeben.

das Dorfmeinschaftshaus in Limlingerode

Auch aus militärischer Sicht hatte die Gemeinde einige Bedeutung, befand sich doch dort ein Teil des Westzuges der Landwehr der Grafschaft Hohnstein. Während im Gebiet "Hinterm Knick" keine Befestigungsreste erhalten sind und die alte Grenze wohl nur durch die nach Norden verlaufende Bachniederung gebildet wurde, befindet sich südlich des Baches ein Hohlweg, der Luchshohl, auf dessen Ostseite sich Reste eines Langwalles befinden.
Mit elf anderen Orten des Landkreises lag Limlingerode in den Zeiten der DDR in der 5-km-Sperrzone vor der innerdeutschen Genze und war somit für Nichteinheimische kaum zu erreichen. Heute präsentiert sie der Ort, der 1997 zum "Schönsten Dorf" im Landkreis Nordhausen gewählt wurde, besucherfreundlich und einladend. Eine Gaststätte, ein Café, ein Bäcker, ein Fleischer sorgen für das leibliche Wohl. Seit Oktober 1997 gehört Limlingerode zur Gemeinde Hohenstein. Im gleichen Jahr wurde die Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses beendet, in dem nun zahlreiche Veranstaltungen stattfinden, unter anderem auch die "Limlingeröder Diskurse". Bis zur Fertigstellung des Geburtshauses Sarah Kirschs, im Dezember 2002, hatte der Verein "Dichterstätte Sarah Kirsch" dort sein Domiziel.

das Flüßchen Sete

Der Ort liegt versteckt in einer fast geschlossenen Talmulde. Er ist über die B 243 von Mackenrode aus zu erreichen. So, wie ein Veilchen im Verborgenen blüht, so entfaltet dieses Dörfchen seine einzigartige Schönheit. Es besteht aus drei mehr oder weniger unregelmäßigen, von Norden nach Süden aneinandergereihten, durch Straßen getrennten Langstücken, der Mittelreihe, der Langen Reihe und der Hintergasse. Damit ergibt sich für den Besucher ein abwechslungsreiches aber überschaubares Bild.
Durch das Sete-Bächlein, das mitten durch das Dorf fließt, und dessen Ufer mit Bäumen, vorwiegend Weiden, Linden, Eschen und Birken bepflanzt ist, wird das Dorfbild belebt. Auf dem ehemligen Festplatz stehen 13 Eichen, von denen einige älter als 300 Jahre sind. Aber auch in der näheren Umgebung von Limlingerode gibt es beeindruckende alte Bäume.

Dorfkirche in Limlingerode

Die evangelische Pfarrkirche in Limlingerode ist ein einfacher, barocker Saalbau mit polygonalem Schluß, erbaut aus teilweise verputzten Bruchsteinen. 1652 ist die Kirche als Erweiterung eines Vorgängerbaues entstanden. Das Mittelteil des Kirchenschiffes ist tonnengewölbt, flache Holzdecken besitzten die Seitenemporen. Der Dachreiter mit seiner Gesamthöhe von 7,50 m über dem First prägt entscheidend das Ortsbild.
Der Kanzelaltar entstand während der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und zeigt als Altargemälde das Abendmahl. Im Inneren der Kirche schwebt ein barocker Taufengel. Er stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Glockenstuhl neben dem Geburthaus von Sarah Kirsch

Die drei freischwingenden Kirchenglocken von Limlingerode sind in einem Fachwerkstuhl nordwestlich der Kirche aufgehängt. Dieser nach allen Seiten offene Glockenstuhl besteht ausschließlich aus Eichenbalken. Die Firstlinie des mit roten Pfannenziegeln gedeckten Satteldaches ist wie die der Kirche nach Ost-West ausgerichtet.
Der Glockenstuhl ruht auf einem Bruchsteinfundament, das eine Fläche von fünf mal fünf Metern umfaßt und besitzt hangabwärts eine Höhe von 110 Zentimetern. Die drei traufseitigen Gefache sind der jeweiligen Glockengröße angepaßt.
Im Jahre 1835 wurde der heutige Glockenstuhl, der mehrere Vorgängerbauten hatte, errichtet. Er steht 17 Meter von der Kirche entfernt auf dem ehemaligen alten Friedhof. Der Standort wurde so gewählt, dass weder die Kirche noch ein anderes Gebäude das Geläut beeinträchtigen.

Sarah Kirsch am Fenster ihres Geburtshauses in Limlingerode

Das Pfarrhaus daneben ist das Geburtshaus der Dichterin Sarah Kirsch und wurde zu einer "Dichterstätte" ausgebaut.
Das Ortsbild ist bis auf wenige Eingriffe in seinem ursprünglichen Zustand erhalten geblieben und wird hauptsächlich zu Wohnzwecken genutzt. Über 20 Gebäude erhielten mit Hilfe von Fördermitteln eine neue Dacheindeckung und Fassadengestaltung. Dabei konnten mehrere reizende Fachwerkfassaden wieder hergestellt werden.Die Straßen und Wege in Limlingerode befinden sich in einem guten Zustand. Besonders sei der "Grüne Junipfad" erwähnt, der auf relativ kurzer Strecke alle landschaftlichen Besonderheiten zeigt und nach einem Vers von Sarah Kirsch benannt wurde.

In der Gemarkung des Dorfes befinden sich einige Natur- und Geschichtsdenkmale. Besonders hervorzuheben sind die sogenannten "Kettlerlöcher", die in der Flur südlich der Gemeinde liegen. Diese umwaldete Erdfallreihe ist eine landschaftlich-geologische Besonderheit und auch aus botanischen Gründen schutzwürdig. Bemerkenswert ist unter anderem das Vorkommen des Großen Wasserschierlings und ein Schwingmoor im großen südlichen Erdfall. Am 13. September 2000 wurde das Naturschutzgebiet "Sülzensee - Mackenröder Wald" ausgewiesen. Das Naturschutzgebiet umfaßt ein Waldgebiet entlang der Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Thüringen am Übergang vom Südharzer Zechsteingürtel zum Nordthüringer Buntsandsteinland. Das Gebiet beinhaltet ausgedehnte Buchenwälder mit hohem Alt- und Totholzanteil. Eingefügt sind Fichtenforste, Erlenbruchwald, Auwaldreste und einige Offenlandflächen. Prägend ist ein Netz von Stand- und Fließgewässern. Zahlreiche, teils wassergefüllte Erdfälle, naturnahe Bachläufe und weite zum Teil periodisch Wasser führende Gewässer sind charakteristisch für das Naturschutzgebiet und bedingen eine kleinräumig stark bewegte Geländegestalt. Man trifft eine artenreiche Lebensgemeinschaften mit einer Vielzahl von geschützten, seltenen und gefährdeten Pflanzen- und Tierarten an.

Steinkreuz aus Kalkstein

Etwa 3,5 km nordwestlich von Limlingerode, im Huttstollenbachtal, findet man ein altes Steinkreuz aus Kalkstein. Es hat die Antonius-Kreuzform, kann aber auch der Rest eines lateinischen Kreuzes sein. An dieser Stelle soll in alter Zeit ein Stolberger Jäger oder Förster erschossen worden sein.
Limlingerode bietet sich auch als Ausgangsziel für Ausflüge in das südliche Harzvorland und die Höhenzüge des Eichsefeldes an. Die nächstgelegene größere Stadt ist die Kreisstadt Nordhausen.



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