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Lesung mit dem Lyriker Christian Rosenau, Weimar
Vortrag über ihn von Stefan Borchers, Berlin
Christian Rosenau und der Förderverein "Dichterstätte Sarah Kirsch" sind sich im Heft 2/2007 des "Palmbaum", des Literarischen Journals aus Thüringen, begegnet. In ihm wurden die Thüringer Literaturgedenkstätten vorgestellt, und Heinz Stade erinnerte daran, dass das Geburtshaus der Dichterin Sarah Kirsch in Limlingerode seit 5 Jahren zu allmonatlichen Lyrikveranstaltungen einlädt, weil es Ende 2002 restauriert seine Pforten öffnen konnte.
Innerhalb der "Mitteldeutschen Lyriknacht" kam im zweiten Juliheft Christian Rosenau mit seinem Gedicht "in den Gerüsten" zu Wort ... ein Radio dudelt nebenbei, unhörbar fast / in ihrer Mitte, der Takt der Melodideldei. Der Autor wird als Musiker, Musikpädagoge und Lyriker benannt, der in Weimar freischaffend lebt.
Christian Rosenau, geboren 1980 in Weimar, hat an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar studiert. Seit 2005 hat er mehrere Gedichtbände veröffentlicht, einige davon als Langgedichte mit mehrstimmiger Textführung in parallel verlaufenden Kolumnen. Neben Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, z. B. im Jahrbuch der Lyrik 2009, sind bisher "die Initialen der Vögel" (Hrsg. Literarische Gesellschaft Thüringen 2006), "Café" (Verlag Ulrich Keicher Warmbronn 2007) und der Band "Winterfurchen" (Verlag Ulrich Keicher 2009) erschienen.
Für seine literarischen Arbeiten ist Rosenau mit verschiedenen Preisen und Autorenstipendien ausgezeichnet worden: 2005 und 2006 Erster Preis des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen, 2007 Autorenstipendium des Landes Thüringen, 2009 Hermann-Lenz-Stipendium, 2010 Nachwuchspreis des Joachim-Ringelnatz-Preises für Lyrik, 2010 Preis der Jury beim Lyrikpreis Meran. In der Begründung für die letzte Auszeichnung heißt es: "Der Preis der Jury geht an einen Dichter, der individuelle Erfahrungen seiner Kindheit und die Geschichte seiner Heimat zu lyrischen Miniaturen verdichtet. Im gekonnten Umgang mit einer reichen Tradition entwirft er Zeitbilder einer gestörten Idylle, die durch ihre Musikalität bestechen."
Stefan Borchers, der den Autor in Limlingerode vorstellt, wurde 1968 geboren, hat Germanistik, Philosophie und Sozialpsychologie in Hannover studiert und im Fach Deutsche Literaturwissenschaft promoviert. Sein Arbeitsschwerpunkt ist der Grenzbereich von Literatur und wissenschaftlicher Gelehrsamkeit im 18 Jahrhundert.
Derzeit arbeitet er am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin.
Stefan Borchers sagt über seine Begegnungen mit Christian Rosenau: "Im Jahr 2004 hatte ich das Glück, ihn in Leipzig bei seiner ersten öffentlichen Lesung zu erleben. Damals hatte er noch nichts publiziert und war sich seines Talents nicht recht bewusst."
Seine Texte haben mich sofort in den Bann gezogen, so dass ich (nach Überwindung einiger Skrupel, ob man so etwas überhaupt machen kann und soll) mit ihm in Kontakt getreten bin, um ihn meiner Hochschätzung zu versichern und ihn - sofern nötig - zum Weiterarbeiten zu ermuntern.
Tatsächlich war ihm diese Ermunterung willkommen und in der Folge haben wir regelmäßig Mails getauscht, in denen er mich mit neuen Texten und ich ihn mit Rückmeldungen darüber versorgt habe, wie sie bei mir als Leser ankamen. Für mich war und ist es ungeheuer beglückend, auf diese Weise Kunst quasi in statu nascendi zu erleben.
Zum schriftlichen Austausch sind im Laufe der Jahre einige Treffen hinzugekommen. So haben wir uns angefreundet, und ich konnte mit großer Befriedigung verfolgen, wie seine literarische Arbeit zunehmend weitere Anerkennung gefunden hat - in Form von Lesungen, Veröffentlichungen, Preisen und Autorenstipendien.
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Die Lyrikerin des Mittelalters, Mechthild von Magdeburg, vorgestellt in einem literarisch-musikalischem Programm von Ulrike Müller, Weimar, und Antje Finkenwirth, Berlin
Mechthild von Magdeburg, die bedeutende Dichterin des Mittelalters, wurde um 1207 geboren und starb 1282 im Kloster Helfta bei Eisleben. Sie ist eine der bedeutendsten Mystikerinnen Mitteleuropas.
Von ihrem Leben weiß man nur Weniges. Einiges kann aus ihrem Werk entnommen werden. Vermutlich von wohlhabenden, einflussreichen Eltern abstammend, wuchs sie in einer höfischen Umgebung auf und erhielt eine gute Bildung. Mit 12 Jahren hatte sie ihr erstes Gnadenerlebnis und mit ca. 20 Jahren zog sie nach Magdeburg, wo sie über dreißig Jahre als Begine lebte. Man legte das Gelübde der Armut und Keuschheit ab, gehörte jedoch nicht eigentlich einem Orden an. Um 1250 begann sie auf Zuspruch ihres Beichtvaters über die Wonnen und Qualen ihrer mystischen Erfahrungen mit Gott zu schreiben. Ihre in mittelniederdeutsch verfassten Aufzeichnungen stellte Heinrich von Halle dann zu den ersten sechs Büchern des "Fließenden Lichts der Gottheit" zusammen. Mit ihren kirchenkritischen Äußerungen erlebte sie auch Anfeindungen, aber man suchte bei ihr auch vielfach Rat. Ab 1270 lebte sie zurückgezogen im Zisterzienserkloster Helfta bei Eisleben. Sie fügte in dieser Zeit zu ihren Aufzeichnungen noch ein siebtes Buch hinzu.
Mechthild benutzt in ihrem Werk "Das fließende Licht der Gottheit" Bilder des Hohenliedes, um die mystische Vermählung der Seele mit Christus zu beschreiben. Beeinflusst wurde sie auch von Bernhard von Clairvaux, David von Augsburg, Hildegard von Bingen und Gregor dem Großen.. Man findet den Liebesdialog, Lobpreisungen der Liebe, Liebesklage, Gebete, Visionen, Merkverse, Allegorien, Streitgespräche. Vers und Prosa treten nebeneinander oder vermischen sich.
Das Original ihres Textes ist uns nicht überliefert, es existiert eine oberdeutsche Übertragung aus der Zeit um 1343. Die Handschrift befindet sich in der Bibliothek des Schweizer Klosters Einsiedeln.
Mechthilds Werk wurde schon früh ins Lateinische übersetzt. Von dieser Fassung ist ebenfalls eine Handschrift erhalten, die die ersten sechs Bücher des "Fließenden Lichts ..." enthält, wobei die Texte jedoch anders angeordnet sind.
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